KALENDERBLATT FEBRUAR 2019

Klein, aber fein: Internationaler Studiengang Physik

An der Universität Rostock bildet das Institut für Physik (IfPh) in mehreren Studiengängen aus. Zum ersten Hochschulabschluss führt der dreijährige Bachelor of Science in Physik (B. Sc. Physik). Dieser wird in deutscher Sprache unterrichtet, ebenso wie der zweijährige Master of Science in Physik (M. Sc. Physik) sowie die Lehramtsstudiengänge Physik.

Alternativ kann man am IfPh seit Wintersemester 2015/16 nach dem Bachelor-Abschluss auch ein englischsprachiges Masterstudium der Physik mit einer interdisziplinären Orientierung absolvieren. Dieses internationale Programm Master of Science in Physics of Life, Light and Matter hat einen Vorläufer. Wir lesen in einer Pressemitteilung: „Ab Wintersemester 2004/05 bietet die Universität Rostock ein Master-Studienprogramm an für Studenten, die den Bachelor’s Degree in Physics erworben haben und einen Master’s Degree (M. Sc.) in Physics anstreben.“

Ein Werbeposter für den Studiengang M. Sc. in Physics, entworfen in der Arbeitsgruppe für Elementarteilchenphysik unter der Leitung von Prof. Henning Schröder (1945 – 2010).
Ein Werbeposter für den Studiengang M. Sc. in Physics, entworfen in der Arbeitsgruppe für Elementarteilchenphysik unter der Leitung von Prof. Henning Schröder (1945 – 2010).

Unter dem Namen International Programme: Master of Science in Physics wird dieser Studiengang Studierende aus dem Ausland nach Rostock holen. Über die Einschreibezahlen kann das Rostocker Matrikelportal (MPR) Auskunft geben, wenn man bei der MPR-Detailsuche „1992-heute“ das Studienfach Physics: Internat. Progr. (anstelle Physik) auswählt. Die ersten Studenten kommen aus Polen und Lettland, weitere aus dem nichteuropäischen Ausland wie Syrien, China, Kuwait und Indonesien.

Bereits seit 2003 wird an einer Prüfungs- und Studienordnung gearbeitet, wobei letztere am 13.09.2005 in Kraft tritt und danach in der Amtlichen Bekanntmachung der Universität Rostock 4/2006 veröffentlich wird. Die ersten Absolventen des Internationalen M. Sc. in Physics sind zwei Studentinnen aus Polen: Ewa Zych, Master-Arbeit 2005 zum Thema Synthesis and chacterization of metallic biomaterials (Arbeitsgruppe Prof. Eberhard Burkel) sowie Joanna Matusiak, Master-Arbeit 2007 zum Thema Setup of very advanced method for phase and amplitude reconstruction of electric field (Arbeitsgruppe Prof. Heinrich Stolz).

Zeugnisübergabe am 17.11.2016 an drei Absolventen (v. li.) des Internationalen M. Sc. in Physics durch Studiengangskoordinator Dr. Reinhard Mahnke und Prof. Fedor Mitschke als Leiter des Prüfungsausschusses (Foto: Th. Bornath).
Zeugnisübergabe am 17.11.2016 an drei Absolventen (v. li.) des Internationalen M. Sc. in Physics durch Studiengangskoordinator Dr. Reinhard Mahnke und Prof. Fedor Mitschke als
Leiter des Prüfungsausschusses (Foto: Th. Bornath).

Das im Sommer 2018 ausgelaufene Studienprogramm Master of Science in Physics hat 23 erfolgreiche Abschlüsse hervorgebracht, wobei vier Absolventen anschliessend ein Promotionsstudium in Rostock absolviert haben. Den akademischen Grad Dr. rer. nat. erhielten: Artur Szewczyk aus Polen am 16.11.2015 (Atmosphärenphysik, IAP), Slawomir Skruszewicz aus Polen am 07.01.2016 (Experimentalphysik), Yeong Zen Chua aus Malaysia am 21.07.2016 (Experimentalphysik) und Martins Brics aus Lettland am 09.12.2016 (Theoretische Physik).

Reinhard Mahnke

Studierende berichten über ihre Auslandserfahrungen

Frau Yeong Zen Chua (geb. 1985 in Kuala Lumpur/Malaysia) kommt nach ihrem Bachelor–Abschluss in Maschinenbau an der Hochschule Mannheim im Oktober 2008 an die Universität Rostock. Sie studiert im englischsprachigen Programm Master of Science in Physics am Institut für Physik. Die Verteidigung ihrer Masterarbeit zum Thema Investigations of Transient States in Polymers with High-Frequency Laser Modulated AC Chip-Calorimetry findet im Dezember 2010 statt.

Im Kalorimetrie-Labor im Forschungsgebäude Licht-Leben-Materie: Yeong Zen Chua präpariert die Tieftemperatur-Vakuumkammer für Messungen (Foto: J. Tetzke, Universität Rostock).
Im Kalorimetrie-Labor im Forschungsgebäude Licht-Leben-Materie: Yeong Zen Chua präpariert die Tieftemperatur-Vakuumkammer für Messungen (Foto: J. Tetzke, Universität Rostock).
Zusammen mit Laborantin Renate Nareyka bestückt Yeong Zen Chua einen Chip–Sensor mit einer Probe (Foto: J.Tetzke, Universität Rostock).
Zusammen mit Laborantin Renate Nareyka bestückt Yeong Zen Chua einen Chip–Sensor mit einer Probe (Foto: J.Tetzke, Universität Rostock).

Yeong Zen entscheidet sich als erstes Kind der Familie Chua für ein Studium in Europa. Das deutsche Ingenieurwesen hat in Asien eine hohe Wertschätzung. Ein Ingenieur–Studium in Deutschland ist eine Herausforderung, nicht allein wegen der Sprache, sondern auch auf Grund des hohen Niveaus.

Yeong Zen Chua studiert sehr engagiert und fleißig. Sie erwirbt ihre Leistungspunkte innerhalb der Regelstudienzeit, schließt ihre Prüfungen erfolgreich ab. Zusätzlich zum Studium arbeitet Frau Chua in der Lehre (studentische Hilfskraft) und Forschung (Projektarbeit und Vorträge) am Institut für Physik mit. Für ihr Engagement erhält sie 2009 ein Matching-Fund-Stipendium ausländischer Studierender an der Universität Rostock.

In der Arbeitsgruppe von Prof. Christoph Schick beginnt M. Sc. Chua 2011 ihr Promotionsstudium in experimenteller Physik, finanziert durch ein Landesgraduiertenstipendium. Nach der Verteidigung ihrer englischsprachigen Dissertation 2016 beginnt sie, eigene Projekte einzuwerben, und ist weiterhin in der Forschung an der Universität Rostock tätig.

Martins Brics (Foto: privat, 2011).
Martins Brics (Foto: privat, 2011).

Martins Brics (geb. 1985 in Riga/Lettland) kommt nach seinem Bachelor-Abschluss an der Universität Lettlands im Oktober 2009 an die Universität Rostock. Er studiert im Internationalen Studiengang Master of Science in Physics am Institut für Physik. Der erfolgreiche Abschluss des Studiums mit der Verteidigung der Masterarbeit zum Thema Traffic Flow as Driven Nonlinear Dynamical System findet im September 2011 innerhalb der Regelstudienzeit von vier Semestern statt. Danach absolviert M. Sc. Brics ein dreimonatiges ERASMUS-Praktikum im Ausland und kehrt Anfang 2012 nach Rostock zurück.

Er schreibt 2012 in einer Broschüre zu Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern über seine Auslandserfahrungen. Wir zitieren aus seinem Bericht [1]:

„Mein Masterstudium in Physik habe ich in Rostock verbracht (10/2009 – 09/2011). Alle Lehrveranstaltungen wurden auf Englisch gehalten. Die Studienqualität und Professorenkompetenz an der Univerisität Rostock ist genauso hoch wie an den großen deutschen Universitäten (aus meiner Erfahrung kann ich es mit der Leibniz Universität Hannover vergleichen, wo ca. 21 000 studieren) und mit Sicherheit höher als in Lettland. Die kleinen Unis (Studierendenzahl an der Universität Rostock ca. 15 000) haben ihre Vorteile: Professoren haben mehr Zeit für ihre Studenten, einige Lehrveranstaltungen können dem Bedarf jeweiliger Studierender etwas angepasst werden. Auch der menschliche Faktor ist sehr präsent. Wenn dich dein wissenschaftlicher Betreuer ein bis zweimal in der Woche im Krankenhaus besucht und u. a. bei der Erledigung sämtlicher Fragen mit der Krankenversicherung hilft, das spricht schon für sich.“

Überschattet von einem Verkehrsunfall, bei dem ein Autofahrer am 02.04.2012 die Vorfahrt des jungen Physikers auf dem Rad missachtet, beginnt Martins Brics sein Promotionsstudium zur Vielteilchen-Quantenphysik in der Arbeitsgruppe von Prof. Dieter Bauer. Es entstehen in englischer Sprache abgefaßte Publikationen sowie 2016 eine kumulative Dissertationsschrift.

Seit 2018 lebt Dr. Brics wieder in Riga und forscht im Rahmen eines Projekts der Lettischen Universität zur Magnetohydrodynamik von Bakterien.

Quelle:

[1] Informationsbroschüre Auslandserfahrung, herausgegeben vom Kontaktbüro Hochschulen Mecklenburg-Vorpommern des Deutsch-Baltischen Hochschulkontors in Riga/ Lettland. Siehe: www.hochschulkontor.lv/de/