KALENDERBLATT JUNI 2012

Oscar Jacobsen als erster deutscher Meereschemiker

Oscar Jacobsen wurde am 25. Juni 1840 in Ahrensburg in Holstein geboren. Nach Besuch einer Privatschule in seiner Geburtsstadt lernte er in mehreren Apotheken und studierte ab 1864 in Kiel Pharmazie und Chemie, wo er auch sein Staatsexamen als Apotheker machte. 1868 promovierte er mit einer Arbeit zur organischen Chemie, nach seiner Habilitation wurde er 1869 Privatdozent. 1873 übernahm Jacobsen das Ordinariat für Chemie an der Universität Rostock.

Die Arbeiten in Rostock konzentrierten sich vor allem auf die Untersuchung der im Steinkohlenteer enthaltenen Verbindungen. Durch die industrielle Verkokung der Kohle entstand Teer als Nebenprodukt. Die von Jacobsen isolierten, bis dahin unbekannten Teerbestandteile wurden als Ausgangsprodukt für Synthesen genutzt. Als zweites, wichtiges Arbeitsgebiet sind die Phenol- und Sulfonsäurederivate zu nennen.

Ein großes Verdienst von Jacobsen besteht in seinem Bemühen um ein größeres chemisches Labor, da die  Räumlichkeiten im Neuen Museum nicht ausreichten. Unter seiner Regie erfolgte der Umbau der Hebammenunterrichts- und Entbindungsanstalt in der Buchbinderstr., da diese Einrichtungen 1887 in der Doberaner Straße ein neues Domizil erhalten hatten. 1888 konnte so das Chemische Institut in die Buchbinderstraße umziehen Doch konnte er dort nicht lange arbeiten, da er infolge einer Typhuserkrankung am 24. August 1889 verstarb.

Schon in seiner Kieler Zeit hatte sich Jacobsen für ozeanographische Fragen interessiert. Gustav Karsten (1820-1900), der Bruder des Rostocker Professors für Mathematik und Mineralogie Hermann Karsten (1809-1877) und Jacobsens späterer Schwiegervater, gewann ihn für Forschungsreisen auf der Ost- und Nordsee. Er untersuchte den Salzgehalt und die Meerwasser gelösten Salze, wofür er spezielle Analysenmethoden entwickelte.

Gisela Boeck

Porträt von O. Jacobsen (Foto: Porträtsammlung des Universitätsarchivs Rostock).
Porträt von Oscar Jacobsen (Foto: Porträtsammlung des Universitätsarchivs Rostock).
Von Jacobsen und Mitarbeitern entwickelte Geräte für meereschemische Untersuchungen (Foto: [5]).
Von Jacobsen und Mitarbeitern entwickelte Geräte für meereschemische Untersuchungen
(Foto: [5]).

Quellen

[1] Eintrag zu Oscar Jacobsen im Catalogus Professorum Rostochiensium: purl.uni-rostock.de/cpr/00002474

[2] W. Matthäus: Oscar Jacobsen (1840 –1889) – der erste deutsche Meereschemiker. In: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch, Band 16, Deutsches Meeresmuseum, Stralsund, 2010.

[3] W. Sarich: Oscar Jacobsen – Ein Wegbereiter der Synthesechemie an der Rostocker Universität. Belegarbeit, Universität Rostock, 1985.

[4] G. Schott: Zur Geschichte der Chemie an der Universität Rostock (bis 1945). In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock, Math.-Nat. Reihe 18, 981–1017, 1969.

[5] H. A. Meyer et al. (Hrsg.): Die Expedition zur physikalisch-chemischen und biologischen Untersuchung der Nordsee im Sommer 1872. Jahresbericht der Comm. Wiss. Unters. Dt. Meere.